Landschaft als Impuls für Kreativität: Rilke und die Berglandschaft – das war eine Spaziergangsbeziehung, die den Wandel seines lyrischen Schaffens anstiess. Als RMR am 11. Juni 1919 in die Schweiz reiste, lag vor ihm ein noch langer Weg zu dem Ort, wo er seinen stetig wachsenden Drang nach Vollendung seines Schaffens nach der langen inneren Blockade seit dem Kriegsbeginn erfüllen konnte. Am 24. Juli 1919 hatte er bei Regen und scharfer Kälte einen kleinen Wagen bestiegen und fuhr via Sils/Segl i.E. den Maloja-Pass hinunter nach Soglio. Dort entstand in der Ruhe der Landschaft das Prosawerk «Ur-Geräusch», das als sein Wiederbeginn seines späten grossartigen Werkschaffens bezeichnet werden kann.
Unsere Spaziergänge folgen den Spuren von RMR in Soglio, spüren seinem inneren Wandel nach und fragen gleichermassen, was diese Orte auch heute an Kraft auslösen können. Neueste literarische Aufarbeitungen und selten gespielte Rilke-Vertonungen sowie eine Uraufführung begleiten die RMR-Pilgerinnen und Pilger auf dem Weg durch die Kastanienselven, die Rilke als «grossartige Schönheit» beschrieb, und in den Palazzo Castelmur. Lesungen von Rilke-Texten, aber auch zeitgenössischen Dichter*innen weisen den lyrischen Zugang ins heute. Untermalt werden die Spaziergänge von künstlerischen, performativen Installationen, welche einen überraschenden Dialog zwischen Rilkes Versen und der Landschaft schaffen. Im Palazzo Salis wird sogar sein damaliger Arbeitsraum, das Bibliothekszimmer, wieder erstmals in der ursprünglichen Form erschlossen. Schliesslich findet eine virtuelle Begegnung mit dem 125. Geburtstag von Alberto Giacometti statt.